Erziehungsfachleute und Sozialexperten laufen Sturm gegen diese „KiTa-Fernhalte-Prämie". Man müsse aber kein abgeschlossenes Hochschulstudium besitzen, um zu erkennen: „Das Betreuungsgeld ist keine gute Idee!" meinen Timo Greuel und Bernd Weingärtner von der Langenselbolder SPD. Vor allem Familien aus sozial benachteiligten Schichten würden ihre Kinder des Geldes wegen nicht in die Betreuungseinrichtungen schicken. „Also oft gerade die Kinder, die am meisten von frühkindlicher Förderung profitieren können", meint Timo Greuel.
„Daneben gibt es aber noch andere Aspekte: zum Beispiel einen finanzpolitischen", so der Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtparlament. „Das Betreuungsgeld wird den Bund jährlich Milliarden kosten." Gleichzeitig fehlten zigtausende Krippenplätze und die Kommunen müssten in Zeiten knapper Kassen hohe Beträge für die Schaffung von U-3-Betreuungsplätze stemmen. „Statt nach dem Gießkannenprinzip unabhängig von Bedürftigkeit Euros zu verteilen, hätte man besser die Städte und Gemeinden bei ihren Kinderbetreuungsaufgaben unterstützt", meint sein Fraktionskollege Bernd Weingärtner.
Auch sozialpolitisch und volkswirtschaftlich sei das Betreuungsgeld ein Irrweg.
„Es ist immer noch so, dass beim Fehlen einer adäquaten Kinderbetreuung im Zweifel die Frau -und nicht der Mann- zuhause bleibt", glaubt Bernd Weingärtner. Diese althergebrachte Rollenverteilung werde so verfestigt. „Egal ob Mutter oder Vater: derjenige, der länger nicht arbeitet, verliert die Anbindung an einen sich immer schneller wandelnden Arbeitsmarkt - da sind die hundert Euro nur ein schwacher Trost." Ärgerlich sei auch, dass mit dem „Daheimbleiben" vieler gutausgebildeter Frauen (und auch Männer) enormes volkswirtschaftliches Potential verschenkt werde.
„Das Betreuungsgeld ist Unsinn. Finanzpolitisch, volkswirtschaftlich, integrationspolitisch, familienpolitisch...", ziehen die Sozialdemokraten ein wenig schmeichelhaftes Fazit.





