„Die bundesweit drastische Zunahme der Spielhallen und die steigende Gefahr der Spielsucht mache auf allen Ebenen staatliches Handeln notwendig", so der SPD-Vorsitzende Bernd Kaltschnee. So sei allein die Zahl der Spielhallen in Hessen von 2006 bis 2010 um dreihundert auf über 860 Spielhallen angestiegen. Dies entspricht eine Steigerung von über 40 % in diesem Zeitraum. Über 200 Millionen Euro wurden im Jahre 2010 in Spielhallen oder in Geldspielgeräten in gastronomischen Betrieben in Hessen umgesetzt. „Die seit Jahren stetig zunehmende Entwicklung macht natürlich nicht vor den Toren Langenselbolds halt", so Bernd Kaltschnee weiter. Inzwischen erwirtschafteten 38 Geldspielgeräte in Kneipen und die bisher einzige Spielhalle mit Konzession in Langenselbold mit weiteren 10 Geldspielautomaten eine knappe halbe Million Euro Umsatz im Jahr 2010. Zum Vergleich: Im Jahre 2006 lag der Umsatz in Langenselbold noch bei 350.000 Euro.
Immer mehr Menschen müssen als glücksspielsüchtig eingestuft werden, in Hessen bis zu 22.000 Personen. Vom krankhaften Glücksspielen sind vorwiegend Männer (90%) betroffen, meist im Alter von 20 bis 45 Jahren. Besonders auffällig sind diejenigen, die bereits im Jugendalter mit dem Glücksspielen angefangen haben. Und die Möglichkeit sein Geld in Spielhallen los zu werden, steigt auch in Langenselbold und Umgebung stetig. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an eine Anfrage zur Eröffnung einer weiteren Spielhalle im Stadtgebiet von Langenselbold und an die Spielhalle des in unmittelbarer Nähe zu Selbold liegenden Autohofes an der A 45, der zudem rund um die Uhr geöffnet sei. „Die Aussicht, mit der Spielsucht der Menschen finanziell lukrative Geschäfte zu machen, muss soweit als möglich eingeschränkt werden", so Bernd Kaltschnee, der beruflich als Sozialarbeiter tätig ist. Dabei sollten alle gesellschaftlich und politisch relevanten Kräfte zusammen arbeiten. Immerhin erheben 150 von 161 Städte und Gemeinden, also über 93 % aller hessischen Kommunen, eine solche Steuer.
„Leider ist im Rahmen der Haushaltsberatungen der erneut eingebrachte SPD-Antrag zur Erhebung einer Spielapparatesteuer von der Mehrheit der CDU und GAL abgelehnt worden. Nicht nur, dass mit Einführung einer solchen Steuer zusätzliche Einnahmen hätten erzielt werden können (die Gemeinde Gründau nimmt bei ähnlicher Konstellation jährlich eine Summe von ca. 90.000 € ein), nein, der regulative Charakter mit Einführung einer solchen zusätzlichen Abgabe hätte ebenso eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt." Auch wenn die Summe der so zu erzielenden Mehreinnahmen geringer ausfallen dürfte, als in Gründau, wäre in Anbetracht der katastrophalen kommunalen Haushaltslage die Aussicht, das jährliche Defizit entsprechend zu reduzieren, allein Grund genug, eine solche Steuer zu beschließen.
Die örtlichen Sozialdemokraten werden auch in Zukunft alles daran setzen, um endlich nach mehreren vergeblichen Anläufen im Parlament einen entsprechenden Antrag zu beschließen. Gemeinsam mit den hessischen Sozialdemokraten, aber auch mit vielen Fachleuten auf diesem Gebiet, muss weiterhin durch gesetzliche Regelungen der drastischen Zunahme von Spielhallen und Geldspielgeräten entgegengetreten werden.





