Bereits im Kommunalwahlkampf Anfang des Jahres hatte die GAL einen „Energiemanager" gefordert, der ein städtisches Energiekonzept erstellen und die Verbraucher beraten soll. „Ein Energiekonzept wäre sicher sinnvoll und Verbraucherberatung stets wünschenswert, aber dies könnte die Verwaltung mit den vorhandenen Kapazitäten ohne weiteres selbst leisten, ohne dass extra eine neue hochdotierte Stelle geschaffen werden müsste", meinen die Sozialdemokraten. „In den folgenden Koalitionsverhandlungen mit uns hat sich besonders der stellvertretende GAL-Fraktionsvorsitzende Andreas Pfrenger mit der Forderung hervorgetan, dass die sofortige Einstellung eines kommunalen Energiemanagers unbedingte Voraussetzung für jegliche Form einer zukünftige Zusammenarbeit sei", berichtet der SPD-Fraktionsvorsitzende Timo Greuel. „Das war vor dem Hintergrund der finanziellen Situation der Stadt und des von der örtlichen CDU angehäuften Schuldenbergs mit uns nicht zu machen", ergänzt sein Fraktionskollege Bernd Gutschank. Was dann folgte, war die schwarz-grüne Koalitionsvereinbarung, die dem Wahlverlierer CDU weiter eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung bescherte. Der Preis: die Zusage der Einstellung eines kommunalen Energiemanagers ab 2012 und zusätzlich für die GAL die Stelle des hauptamtlichen Stadtrats nach Ende der Amtszeit von Matthias Mücke (CDU). Letzterer wurde von Ex-Bürgermeister und CDU-Verhandlungsführer Heiko Kasseckert geopfert, droht dem doch im Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main die Abwahl als Verbandsdirektor. So schien es Kasseckert wichtiger als alles andere, in der Stadtverordnetenversammlung eine Mehrheit zu schaffen, um aus Langenselbold einen Vertreter seiner Couleur in die Verbandsversammlung zu entsenden.
Daneben hat er sich sicherheitshalber bereits im Magistrat der Stadt Langenselbold als ehrenamtlicher Stadtrat positioniert, das Amt des Bürgermeisters von seinem Adlatus und Nachfolger Jörg Muth (CDU) zu übernehmen.
In der Koalitionsvereinbarung ist denn auch weiter nachzulesen, dass „die GAL .. zur nächsten Bürgermeisterwahl auf einen eigenen Kandidaten verzichten und den Kandidaten der CDU unterstützen" wird.
Nicht nur nach der Auffassung der Sozialdemokraten ist das Verrat an allen Ecken und Enden: Verrat an politischen Grundsätzen, Verrat an Parteifreunden, aber vor allem an den eigenen Wählerinnen und Wählern. „Die Zahl der Menschen, die ihr Kreuz bei der Grün-Alternativen gemacht haben und damit zum Ziel hatten, CDU-Funktionäre im Amt zu halten, dürfte überschaubar sein", so Bernd Gutschank.
„Wir von der SPD haben gegenüber allen anderen Parteien und Wählergruppen im Rahmen der geführten Gespräche stets deutlich gemacht, dass als Leitlinie unserer Politik gilt: Erst die Stadt, dann die Partei, dann die Person," betont Timo Greuel. „Bei CDU und GAL scheint die Reihenfolge genau umgekehrt zu sein." Die erste Person, die von dem Personalgeschacher der Koalition profitieren wird, wird absehbar der „zweite Mann" der GAL Andreas Pfrenger sein. Von der „Langenselbolder Zeitung", in einem kürzlich erschienen redaktionellen Beitrag als eine Art Umweltengel in den Himmel gehoben, wird ihm wohl die Stelle zugeschanzt werden, für deren Schaffung er selbst sich in der Vergangenheit so vehement eingesetzt hat. Die Stellenausschreibung der Stadt dürfte einen entsprechenden Zuschnitt haben wohl dann auch selbst verfassen und seinem eigenen Profil auf den Leib schneidern. Man möge dreimal raten, für welchen Bewerber sich der Magistrat entscheiden wird. Die neue Stelle des Andreas Pfrenger werde sich keinesfalls wirtschaftlich selbst tragen, wie man den Menschen weismachen wolle. „Die GAL Langenselbold lässt sich vielmehr ihren politischen Opportunismus von den Bürgerinnen und Bürgern bezahlen, in Euro und Cent", so Timo Greuel und Bernd Gutschank. Es bleibe abzuwarten, wer als nächstes seine 30 Silberlinge einfordere - vielleicht der GAL-Fraktionsvorsitzende Gustav Schreiner, wenn es um die Wahl zum nächsten I. Stadtrat gehe?





