„Es haben sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet", so die örtlichen Sozialdemokraten, die sich kürzlich den vielgepriesenen Baufortschritt vor Ort angesehen haben. „Sicherlich kann man sich über das äußere Erscheinungsbild des Krippenhauses geteilter Meinung sein, aber solch ein dominantes Bauwerk inmitten von gewachsener Wohnstruktur zu setzen, dazu gehört wahrlich viel Muth", so Bernd Kaltschnee, SPD-Vorsitzender in Langenselbold.
Schon in der nächsten Stadtverordnetenversammlung geht es wieder um das Krippenhaus im Steinweg, denn schon vor der Fertigstellung laufen die Kosten aus dem Ruder. Zusätzlich zu den geplanten 1,3 Millionen Euro Baukosten sollen nochmals mehr als 150.000 Euro überplanmäßig auf die Schnelle im Parlament als Mehrausgaben beschlossen werden. Begründet wird dies ausnahmslos mit nicht vorhersehbaren Umständen, die die Baukosten um 11,8 % in die Höhe trieben und auf die die Verantwortlichen im Rathaus keinerlei Einfluss hätten, wie Lohnkostensteigerungen oder Verteuerung des Baumaterials Und als wenn dies noch nicht reichen würde, wird vorsorglich schon davon gesprochen, dass das Gebäude noch nicht endabgerechnet sei und weitere Nachträge noch dazu kommen können.
„Für wie dumm halten Sie eigentlich die Bevölkerung und das Parlament", fragen sich die SPD Vertreter bei dieser Argumentation. Die Gründe allein auf äußere und vorher nicht einzukalkulierende Bedingungen zu schieben, erscheint wenig glaubwürdig. Denn jeder in Langenselbold konnte in den vergangenen Monaten sehen, mit welchem Aufwand der Rohbau auf diesem Standort realisiert werden musste. Allein die Gründung und die Betonwanne als Schutz vor dem hohen Grundwasser haben enorme Kosten verursacht. Aufgrund der prekären Parksituation im Steinweg musste eine Tiefgarage gebaut werden, die die Aufwendungen zudem noch in die Höhe trieb. Der versprochene Aufzug wird erst nach Fertigstellung installiert, sonst wären die Kosten noch weiter davon gelaufen.
„Hätten wir die neue Kinderkrippe auf einem anderen Standort in den Neubaugebieten umgesetzt, dort wo übrigens die Familien mit kleinen Kindern wohnen und die bewusst sich mit dem Versprechen einer wohnortnahen Kinderbetreuung dort angesiedelt haben, wären diese Probleme nicht aufgetreten. Hätten wir im Niedertal gebaut, würden dort schon die ersten Kinder im Sandkasten spielen! Aber das ist offensichtlich auch Schnee von gestern. Ein Thema allerdings, das die Sozialdemokraten noch nicht abgehakt haben.
Bernd Kaltschnee meint weiter zu den angeblich unvorherzusehenden Mehrkosten. „Wenn wir schon in der nächsten Sitzung des Parlaments die überplanmäßigen Ausgaben in Höhe von ca. 150.000 € einfach so absegnen sollen, dann hätten wir uns zumindest eine detailierte Aufstellung gewünscht, welche Kalkulationen mit welchen Beträgen überschritten worden sind". Aber geliefert wurde keine Entscheidungsgrundlage außer der lapidaren Begründung, dass die seit Herbst 2010 stark anziehenden Baupreise allein für die Mehraufwendungen verantwortlich seien. „Das ist als Begründung zu dürftig und in Anbetracht des enormen Schuldenstandes der Stadt muss jede Ausgabe auf den Prüfstand. Wenn wir dann wirklich zu dem Schluss kämen, dass die enorme Steigerung der Kosten wirklich und einzig und allein auf äußere und vorher nicht absehbare Ursachen basiert, dann kann man auch mit uns rechnen", so die SPD Vertreter abschließend.






